Das Labyrinth


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Das Labyrinth ist ein uraltes Menschheitssymbol und ein Symbol für das Leben. Das Labyrinth hat immer nur einen einzigen Weg. Dieser Weg wechselt die Seiten und die Himmelsrichtungen, es gibt keine Kreuzungen, keine Sackgassen und keine Abzweigungen. Ein Labyrinth ist kein Irrgarten.

Das Labyrinth entstand im Mittelmeerraum vor ca. 3200 Jahren. Es gab Fels- und Tonritzungen aus Griechenland und eine alte, berühmte Geschichte aus Kreta. Labyrinthe findet man in der ganzen Welt. In der Gotik fanden sie Einzug in die Kathedralen und wurden für Tänze verwendet. In England wurden dann Labyrinthe neben die Kirchen in den Rasen gestochen. Diese großen Rasenlabyrinthe faszinieren mich schon lange. Ich habe einige Bücher darüber gelesen und wollte immer ein eigenes kleines Rasenlabyrinth im Garten für die Kinder bauen. Da ich das Objekt jetzt gemietet habe und dieser Wunsch nicht in Erfüllung geht, habe ich es mir als Logo ausgesucht.

Was bedeutet dieses Symbol noch?


Der Weg führt in die Mitte. Es zeigt uns den Lebensweg oder auch nur Teilbereiche eines Lebens. Man geht auf ein Ziel zu und nach einer Biegung verschwindet dieses Ziel wieder vor den Augen. Man kann weitergehen und wird nach der nächsten Biegung das Ziel wieder entdecken und ihm näher kommen. Man kann aber auch stehen bleiben und überlegen umzukehren. Doch das Ziel erreicht man nur, wenn man vorwärtsgeht! Das Leben in unserer Kultur, in unserem Schulsystem und in unserer Erwachsenenwelt orientiert sich an dem Prinzip: Richtig ist gut und falsch ist schlecht. Es geht darum, so wenig Fehler wie möglich zu machen. Aber was uns das Labyrinth zu sagen hat, ist für mich viel stimmiger. Denn: richtig und falsch sind unbedeutend. Es kommt auf eine andere Frage an. "Gehen oder Stehen bleiben!" Der Weg im Labyrinth ist immer richtig, auch wenn die Wendung von der Mitte wegführt. Im Labyrinth gibt es keinen längeren oder kürzeren Weg. Jede Wendung muss gegangen werden, wenn man zur Mitte will. Wer aber aus den Wendungen lernt, also nicht stehen bleibt, für den verwandeln sich Fehler nicht in unnütze Zeit: Sie werden zu kostbaren Wegstrecken! Wunden werden zu Orten der Heilung, Krisen führen zur Lebenskraft und Irrtümer zur Weisheit. Fehler zu machen ist nicht falsch. Ein Fehler ist keine Sackgasse und schon gar keine verlorene Zeit. Aus Fehlern nicht lernen, nicht weiterzugehen, stehen zu bleiben, das sind die wirklichen Irrtümer des Lebens.

Das ist auch ein wichtiger Punkt, der mit unserer Pädagogik und unserer Kindererziehung zu tun hat. Wir müssen den Kindern ihren Weg gehen lassen! Fehler machen und die Arbeit wiederholen gehört zu ihrem Lernprozess. Ohne sie zu unterbrechen, ohne sie zu korrigieren. Dadurch gelangen sie zu größerem Selbstwertgefühl, größerem Selbstbewusstsein und größerer Selbsteinschätzung ihrer Begabungen.

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